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Microneedling bei Haarausfall: Was die feinen Nadeln leisten können und wo die Grenzen liegen

9. Okt.
8 Min. Lesezeit

Aktualisiert: 18. Okt.

Microneedling hat sich in den letzten Jahren von der Gesichtsbehandlung bis auf die Kopfhaut ausgebreitet. In Drogerien liegen Roller und Stifte für die Anwendung zu Hause, in sozialen Netzwerken werden dichte Haare nach wenigen Wochen in Aussicht gestellt. Wer gerade beginnt, Haare zu verlieren, sucht verständlicherweise nach einer einfachen Lösung. Die Methode ist nicht wirkungslos, aber sie ist auch kein Ersatz für eine Diagnose. Ob sie im Einzelfall sinnvoll ist, hängt von der Art des Haarausfalls ab, und die lässt sich nur mit einer Haaranalyse sicher bestimmen.

Dieser Artikel erklärt, wie Microneedling auf der Kopfhaut wirkt, was die bisherigen Studien zeigen, wann die Kombination mit Wirkstoffen sinnvoll ist und welche Risiken bei der Anwendung zu Hause bestehen. Er beschreibt außerdem, bei welchen Formen des Haarausfalls und bei welchen Hauterkrankungen die Methode keine Rolle spielt.


Erwachsener Mann mit grauen Haaren im Porträt, Symbolbild zum Thema Microneedling bei Haarausfall, Kopfhaut, Dermaroller, erblich bedingter Haarausfall


Was Microneedling auf der Kopfhaut bedeutet

Beim Microneedling wird die Haut mit vielen sehr feinen Nadeln in dichter Folge durchstochen. Dafür gibt es Roller mit einer Walze voller Nadeln, Stempel und elektrische Stifte, deren Nadeln sich schnell auf und ab bewegen. Die entstehenden Kanäle sind winzig und schließen sich innerhalb kurzer Zeit wieder. Auf der Kopfhaut bleibt nach der Behandlung meist eine leichte Rötung zurück.

Der Grundgedanke ist eine kontrollierte Reizung. Die Haut reagiert auf die kleinen Verletzungen mit den Abläufen der Wundheilung. Dabei werden Botenstoffe freigesetzt, die Durchblutung steigt vorübergehend, und Zellen in der Umgebung werden aktiviert. Auf der Kopfhaut liegen in dieser Schicht auch die Haarwurzeln. Die Hoffnung ist, dass sie von diesen Reizen profitieren.

Die Kopfhaut unterscheidet sich dabei deutlich von der Gesichtshaut. Sie ist dicker, stärker durchblutet und dicht mit Haarwurzeln und Talgdrüsen besetzt. Die Haare erschweren zudem eine gleichmäßige Führung des Geräts. Deshalb lassen sich Erfahrungen aus der Gesichtsbehandlung nicht einfach übertragen. Nadellänge, Druck und Abstände müssen an die Besonderheiten der Kopfhaut angepasst werden.


Abgrenzung zu anderen Verfahren

Microneedling ist keine Haartransplantation und auch keine Haarpigmentierung. Es werden weder Haarwurzeln versetzt noch Farbpigmente eingebracht. Die Methode zielt allein darauf, vorhandene Haarwurzeln zu stimulieren. Wo keine Haarwurzeln mehr vorhanden sind, etwa an seit Jahren kahlen Stellen, kann sie deshalb auch keine neuen Haare entstehen lassen.


Wie Microneedling auf das Haarwachstum wirken könnte

Die genauen Mechanismen sind noch nicht vollständig geklärt. Diskutiert werden mehrere Wege. Durch die Wundheilung werden Wachstumsfaktoren freigesetzt, die auch an der Regulation des Haarzyklus beteiligt sind. Außerdem wird vermutet, dass Signalwege angeregt werden, die Stammzellen im Haarfollikel aktivieren. Eine verbesserte Durchblutung der Kopfhaut könnte ebenfalls eine Rolle spielen.

Ein zweiter, gut nachvollziehbarer Effekt betrifft die Aufnahme von Wirkstoffen. Durch die feinen Kanäle gelangen aufgetragene Substanzen leichter in die Haut. Das kann die Wirkung eines Mittels verstärken, erhöht aber zugleich die Menge, die in den Körper aufgenommen wird. Dieser Punkt ist für die Sicherheit wichtig und wird weiter unten genauer betrachtet.

Für das Verständnis hilft ein Blick auf den Haarzyklus. Bei erblich bedingtem Haarausfall verkürzt sich die Wachstumsphase mit jedem Durchlauf, und die Haare werden feiner. Eine Behandlung, die diesen Prozess bremst, zeigt sich deshalb nicht sofort, sondern erst über mehrere Zyklen. Auch die mögliche Wirkung von Microneedling wird erst nach Monaten sichtbar, wenn überhaupt.


Was das für die Erwartungen bedeutet

Microneedling kann geschwächte, aber noch aktive Haarwurzeln unterstützen. Es macht feine Haare unter Umständen etwas kräftiger und kann den Haarverlust verlangsamen helfen. Es verändert jedoch nicht die Ursache eines erblich bedingten Haarausfalls. Die Empfindlichkeit der Haarwurzeln gegenüber Hormonen bleibt bestehen, und ohne fortgesetzte Behandlung schreitet der Ausfall weiter fort.


Was die Studien zeigen

Die Datenlage ist begrenzt, aber nicht leer. Es gibt eine Reihe kleinerer Studien, vor allem zum erblich bedingten Haarausfall bei Männern. Mehrere davon deuten darauf hin, dass Microneedling in Kombination mit Minoxidil zu besseren Ergebnissen führt als Minoxidil allein. Die Teilnehmerzahlen sind allerdings oft gering, die Beobachtungszeiträume kurz, und die Behandlungsprotokolle unterscheiden sich stark.

Für Microneedling als alleinige Behandlung ist die Studienlage schwächer. Ob die Methode ohne begleitenden Wirkstoff einen dauerhaft messbaren Nutzen bringt, lässt sich derzeit nicht verlässlich sagen. Auch für Frauen mit diffusem Haarausfall gibt es deutlich weniger Daten als für Männer. Seriös lässt sich Microneedling deshalb als mögliche Ergänzung beschreiben, nicht als eigenständige Therapie mit gesichertem Effekt.

Gemessen wird in solchen Studien meist die Zahl und Dicke der Haare in einem markierten Feld der Kopfhaut, ergänzt durch standardisierte Fotos. Diese Messungen sind genauer als der Blick in den Spiegel, aber auch sie erfassen nur einen kleinen Ausschnitt. Wie lange ein möglicher Effekt nach dem Ende der Behandlung anhält, wurde bislang kaum untersucht.


Warum Erfahrungsberichte wenig aussagen

Im Internet finden sich viele Berichte über deutlich dichtere Haare nach wenigen Monaten. Solche Beobachtungen sind schwer einzuordnen. Haarausfall schwankt von Natur aus, Fotos werden bei unterschiedlichem Licht aufgenommen, und oft werden mehrere Mittel gleichzeitig angewendet. Ob die Veränderung tatsächlich vom Microneedling stammt, lässt sich aus einzelnen Berichten nicht ableiten.


Für wen Microneedling in Frage kommt

Am ehesten profitieren Menschen mit erblich bedingtem Haarausfall im frühen oder mittleren Stadium. Bei ihnen sind die Haarwurzeln geschwächt, aber noch vorhanden, und es gibt feine Haare, die sich kräftigen lassen. Typisch sind lichter werdende Geheimratsecken, ein dünner werdender Oberkopf oder ein breiter werdender Scheitel. Hier kann die Methode eine bestehende Behandlung sinnvoll ergänzen.

Wenig sinnvoll ist Microneedling dagegen bei vollständig kahlen Arealen, in denen keine Haarwurzeln mehr arbeiten. Auch bei vorübergehendem Haarausfall, etwa nach Stress, Infekten oder einer Geburt, bringt die Methode keinen Vorteil, weil sich die Haare ohnehin erholen. Bei Haarausfall durch Eisenmangel oder Schilddrüsenstörungen steht die Behandlung der Ursache im Vordergrund.

Bei Frauen mit erblich bedingtem Haarausfall ist die Ausgangslage ähnlich, die Datenlage aber dünner. Häufig liegt bei ihnen ein diffuses Ausdünnen über dem Scheitel vor, an dem auch hormonelle Veränderungen oder Eisenmangel beteiligt sein können. Bevor Microneedling erwogen wird, sollten diese Faktoren abgeklärt sein. Sonst wird an einem Symptom gearbeitet, während die Ursache bestehen bleibt.


Wann davon abzuraten ist

Bei entzündlichen Erkrankungen der Kopfhaut sollte kein Microneedling erfolgen. Dazu zählen Schuppenflechte im aktiven Schub, ausgeprägte Ekzeme, Infektionen und vernarbende Formen des Haarausfalls. Auch bei kreisrundem Haarausfall wird die Methode meist nicht ohne ärztliche Begleitung eingesetzt. Wer Gerinnungshemmer einnimmt, zu Narbenwucherungen neigt oder eine Störung der Wundheilung hat, sollte vorher ärztlichen Rat einholen.


Anwendung zu Hause oder in der Praxis

Die Geräte für zu Hause arbeiten meist mit sehr kurzen Nadeln. Sie reizen die oberste Hautschicht und sind entsprechend schonend, erreichen aber auch weniger tiefe Schichten. In der Praxis kommen längere Nadeln und elektrische Geräte zum Einsatz, deren Eindringtiefe sich genau einstellen lässt. Die Behandlung erfolgt dort unter sterilen Bedingungen und mit einer Beurteilung der Kopfhaut vorab.

Der größte Unterschied liegt in der Hygiene und in der Einschätzung, was die Haut verträgt. Zu Hause werden Geräte oft mehrfach verwendet, unzureichend gereinigt oder mit zu viel Druck geführt. Dadurch steigt das Risiko für Entzündungen. Wer sich für die Anwendung zu Hause entscheidet, sollte die Anleitung genau befolgen und das Gerät regelmäßig erneuern.

Auch das Empfinden während der Behandlung unterscheidet sich. Kurze Nadeln verursachen meist nur ein Kribbeln. Bei längeren Nadeln ist die Behandlung spürbar, weshalb in der Praxis oft eine betäubende Creme aufgetragen wird, die einige Zeit einwirken muss. Wer zu Hause starke Schmerzen hat oder blutet, verwendet vermutlich zu viel Druck oder ein ungeeignetes Gerät.


Wie oft behandelt wird

Wie häufig behandelt wird, hängt von der Nadellänge ab. Sehr kurze Nadeln werden in kürzeren Abständen eingesetzt, längere Nadeln mit mehrwöchigen Pausen, damit die Haut sich vollständig erholen kann. Häufiger ist dabei nicht besser. Eine Haut, die ständig gereizt wird, reagiert eher mit Entzündung als mit Regeneration. Ein fester, nicht zu dichter Rhythmus ist sinnvoller als häufige, unregelmäßige Anwendungen.


Kombination mit Wirkstoffen

Am besten untersucht ist die Kombination mit Minoxidil. Der Wirkstoff erweitert die Blutgefäße und verlängert die Wachstumsphase der Haare. In Verbindung mit Microneedling scheint sein Effekt in Studien stärker auszufallen. Wichtig ist dabei der zeitliche Abstand. Wird Minoxidil unmittelbar nach dem Stechen aufgetragen, gelangt deutlich mehr davon in den Körper, was Nebenwirkungen wie Herzklopfen oder Schwindel begünstigen kann.

Üblich ist deshalb, Minoxidil am Behandlungstag auszulassen und erst nach einem Tag Pause fortzusetzen. Auch andere Seren, Öle oder kosmetische Produkte sollten direkt nach dem Microneedling nicht auf die Kopfhaut gelangen. Was auf intakter Haut harmlos ist, kann durch die offenen Kanäle Reizungen oder allergische Reaktionen auslösen. Wer unsicher ist, fragt vor der ersten Anwendung nach dem passenden Abstand zwischen beiden Behandlungen.


Microneedling und PRP

In manchen Praxen wird Microneedling mit einer Behandlung mit Eigenblut kombiniert. Dabei wird aus dem eigenen Blut ein Konzentrat gewonnen, das reich an Blutplättchen ist, und während oder nach dem Microneedling auf die Kopfhaut gebracht. Die Kombination folgt einer ähnlichen Idee wie bei Minoxidil. Belastbare Vergleichsdaten sind bislang jedoch rar, sodass auch hier Zurückhaltung bei den Erwartungen angebracht ist.


Risiken und Nebenwirkungen

Richtig angewendet ist Microneedling eine gut verträgliche Methode. Häufig sind eine Rötung, ein leichtes Brennen und eine leichte Schwellung, die nach ein bis zwei Tagen abklingen. Bei längeren Nadeln können punktförmige Blutungen auftreten. Die Kopfhaut kann in den Tagen danach etwas schuppen und empfindlicher auf Sonne reagieren.

Ernsthafte Komplikationen entstehen vor allem durch mangelnde Hygiene oder zu aggressive Anwendung. Dazu gehören Infektionen, Entzündungen der Haarwurzeln und in seltenen Fällen Narben. Auch allergische Reaktionen auf aufgetragene Produkte kommen vor. Ein verunreinigter Roller, der über Monate verwendet wird, ist eines der häufigsten Probleme bei der Anwendung zu Hause.


Was nach der Behandlung zu beachten ist

Nach dem Microneedling sollte die Kopfhaut einige Stunden in Ruhe gelassen werden. Haarwäsche, Schwimmbad, Sauna und intensives Schwitzen werden am selben Tag vermieden. Mützen und Kissen sollten sauber sein. Treten nach einigen Tagen zunehmende Rötung, Schmerzen, Eiterpickel oder Fieber auf, ist eine ärztliche Abklärung notwendig.


Was Microneedling nicht leisten kann

Microneedling lässt keine neuen Haarwurzeln entstehen. Ein Haaransatz, der seit Jahren zurückgewichen ist, kehrt durch die Methode nicht zurück, und eine kahle Stelle am Oberkopf wird nicht wieder dicht. Wo die Haarwurzeln dauerhaft verloren sind, ist eine Haartransplantation der Weg, mit dem sich Haare aus dem Spenderbereich an diese Stellen bringen lassen.

Auch nach einer Transplantation verliert die Frage nach der Erhaltung der eigenen Haare nicht an Bedeutung. Die verpflanzten Haare stammen aus einem Bereich, der vom erblich bedingten Haarausfall meist verschont bleibt, die umgebenden Haare jedoch nicht. Ob Microneedling dann als ergänzende Maßnahme sinnvoll ist und ab wann es nach dem Eingriff erlaubt wäre, wird individuell besprochen.


Geduld als Teil der Behandlung

Jede Maßnahme, die auf den Haarzyklus zielt, braucht Zeit. Erste Veränderungen zeigen sich frühestens nach einigen Monaten, eine belastbare Beurteilung ist meist erst nach einem halben Jahr möglich. Wer nach wenigen Wochen aufgibt oder ständig die Methode wechselt, kann keine Aussage über den Nutzen treffen. Fotos im gleichen Licht helfen, den Verlauf nüchtern zu bewerten.


Woran sich ein Nutzen erkennen lässt

Ob Microneedling im Einzelfall etwas bewirkt, lässt sich nur im Verlauf beurteilen. Hilfreich ist eine Ausgangsdokumentation vor Beginn der Behandlung, mit Fotos des Scheitels, der Stirn und des Wirbels im gleichen Licht. Nach etwa sechs Monaten werden neue Aufnahmen unter denselben Bedingungen gemacht. Erst der Vergleich zeigt, ob sich die Dichte verändert hat oder nicht.

Genauer ist eine Untersuchung mit Vergrößerung, bei der Haardichte und Haardicke in einem festgelegten Bereich bestimmt werden. Sie zeigt auch, ob feine Haare kräftiger geworden sind, bevor sich das im Gesamtbild bemerkbar macht. Bleibt nach einem halben Jahr jede Veränderung aus, ist es sinnvoll, die Behandlung zu überdenken, statt sie unbegrenzt fortzusetzen.


Fazit: Eine mögliche Ergänzung, kein Ersatz für die Diagnose

Microneedling kann bei erblich bedingtem Haarausfall im frühen Stadium eine sinnvolle Ergänzung sein, vor allem in Kombination mit Minoxidil. Als alleinige Behandlung ist der Nutzen nicht ausreichend belegt. Bei kahlen Stellen ohne aktive Haarwurzeln, bei vorübergehendem Haarausfall und bei Entzündungen der Kopfhaut spielt die Methode keine Rolle.

Wer Microneedling ausprobieren möchte, sollte vorher klären lassen, welche Form des Haarausfalls vorliegt und ob die Kopfhaut dafür geeignet ist. Das schützt vor enttäuschten Erwartungen und vor vermeidbaren Entzündungen. Wer seine Möglichkeiten in Hannover ärztlich einordnen lassen möchte, kann über die Seite Kontakt einen Termin vereinbaren.

Häufig wird Microneedling mit pflanzlichen Mitteln kombiniert, die auf die Kopfhaut aufgetragen werden. Wie belastbar die Daten zu Rosmarinöl sind und wie es sich neben geprüften Wirkstoffen einordnen lässt, beschreibt der Beitrag Rosmarinöl gegen Haarausfall: Was die Studienlage hergibt und was nicht.


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