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Rosmarinöl gegen Haarausfall: Was die Studienlage hergibt und was nicht

13. Okt.
8 Min. Lesezeit

Aktualisiert: 25. Okt.

Kaum ein Hausmittel gegen Haarausfall wird derzeit so häufig empfohlen wie Rosmarinöl. In kurzen Videos wird es in die Kopfhaut massiert, Fläschchen sind in Drogerien schnell ausverkauft, und oft heißt es, das Öl wirke so gut wie ein Medikament. Wer seine Haare dünner werden sieht, möchte verständlicherweise zuerst etwas Natürliches und gut Verträgliches ausprobieren. Bevor man Monate mit einem Mittel verbringt, lohnt sich jedoch eine ärztliche Einordnung des Haarausfalls. Denn ob Rosmarinöl überhaupt in Frage kommt, hängt davon ab, welche Form vorliegt.

Dieser Artikel erklärt, woher der Ruf des Rosmarinöls stammt, was die bekannteste Studie tatsächlich gemessen hat und wo ihre Grenzen liegen. Er beschreibt außerdem, wie das Öl wirken könnte, bei welchem Haarausfall ein Versuch sinnvoll ist, wie man es sicher anwendet und was es nicht leisten kann.


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Warum Rosmarinöl so bekannt geworden ist

Rosmarin wird seit Jahrhunderten als Heilpflanze genutzt, vor allem für Verdauung und Durchblutung. Für das Haar wurde er lange eher in alten Rezepten für Haarwasser erwähnt. Bekannt wurde Rosmarinöl als Mittel gegen Haarausfall erst in den letzten Jahren über soziale Medien. Dort wird häufig eine Studie zitiert, in der Rosmarinöl ähnlich gut abgeschnitten haben soll wie ein bewährter Wirkstoff gegen erblich bedingten Haarausfall.

Diese Botschaft verbreitet sich leicht, weil sie zwei Wünsche zugleich bedient. Viele Menschen möchten auf Medikamente verzichten, und ein Pflanzenöl wirkt harmlos und vertraut. Hinzu kommen eindrucksvolle Erfahrungsberichte, die aber selten über längere Zeit dokumentiert sind. Ob das Haar in solchen Berichten wirklich dichter geworden ist oder nur anders frisiert, gepflegt und fotografiert wurde, lässt sich von außen kaum beurteilen.

Auffällig ist zudem, dass in vielen Beiträgen gar kein Öl verwendet wird, sondern selbst gekochtes Rosmarinwasser. Das ist ein anderes Produkt mit anderer Zusammensetzung. Die viel zitierte Studie hat Rosmarinöl untersucht, kein Wasser aus aufgekochten Zweigen. Wer sich auf diese Studie beruft, sollte deshalb genau hinsehen, welches Mittel eigentlich gemeint ist und wie es angewendet wurde.


Was die Studienlage zeigt


Die Vergleichsstudie mit Minoxidil

Die Studie, auf die sich fast alle Empfehlungen stützen, erschien im Jahr 2015 in einer dermatologischen Fachzeitschrift. Untersucht wurden einhundert Männer mit erblich bedingtem Haarausfall. Die Hälfte trug sechs Monate lang Rosmarinöl auf, die andere Hälfte Minoxidil in einer Konzentration von zwei Prozent. Gemessen wurde die Zahl der Haare anhand standardisierter Aufnahmen der Kopfhaut zu Beginn, nach drei und nach sechs Monaten.

Nach drei Monaten zeigte sich in keiner der beiden Gruppen eine messbare Veränderung. Nach sechs Monaten war die Zahl der Haare in beiden Gruppen gegenüber dem Beginn gestiegen, ohne dass sich die Gruppen untereinander unterschieden. Juckreiz der Kopfhaut trat in beiden Gruppen häufiger auf als zu Beginn, in der Gruppe mit Minoxidil allerdings öfter. Aus diesen Ergebnissen entstand die verbreitete Aussage, Rosmarinöl wirke wie Minoxidil.


Wo die Grenzen dieser Studie liegen

So einfach ist es nicht. Die Studie hatte keine Gruppe, die ein Scheinpräparat erhielt. Ohne diesen Vergleich lässt sich nicht sagen, wie viel der gemessenen Veränderung auf das Öl zurückgeht und wie viel auf natürliche Schwankungen, eine bessere Pflege oder die Messung selbst. Zudem verglich die Studie mit Minoxidil in niedriger Konzentration. Für Männer wird häufig die höhere Konzentration verwendet, die in Studien stärker wirkt.

Hinzu kommen die geringe Teilnehmerzahl, die kurze Dauer von sechs Monaten und die Tatsache, dass es sich um eine einzelne Studie aus einem einzigen Zentrum handelt. Größere Untersuchungen, die das Ergebnis bestätigen, fehlen bislang. Unklar bleibt auch, ob ein heute gekauftes Öl dem damals verwendeten Präparat in Zusammensetzung und Konzentration entspricht. Eine verlässliche Grundlage für eine Behandlungsempfehlung ist das nicht.


Was Übersichtsarbeiten sagen

Neuere Übersichtsarbeiten zu frei verkäuflichen Mitteln gegen erblich bedingten Haarausfall kommen zu einem zurückhaltenden Urteil. Für einige pflanzliche Stoffe, darunter Rosmarinöl, gibt es erste Hinweise auf eine Wirkung, die Datenlage ist aber dünn. Die Autoren betonen, dass größere, sorgfältig kontrollierte Studien mit längerer Laufzeit nötig sind, bevor man Wirksamkeit und Sicherheit sicher beurteilen kann. Bis dahin bleibt Rosmarinöl ein Versuch, keine gesicherte Behandlung.

Ähnlich sieht es bei anderen pflanzlichen Stoffen aus, die gegen Haarausfall beworben werden, etwa Koffein, Kürbiskernöl oder Extrakte aus der Sägepalme. Für jeden dieser Stoffe gibt es einzelne kleinere Untersuchungen mit teils positiven Ergebnissen, aber keine belastbare Grundlage, die mit den zugelassenen Wirkstoffen vergleichbar wäre. Das bedeutet nicht, dass diese Mittel nutzlos sind. Es bedeutet nur, dass ihre Wirkung bislang nicht verlässlich gemessen wurde.


Wie Rosmarinöl wirken könnte

Für eine mögliche Wirkung gibt es mehrere Erklärungsansätze. Rosmarinöl soll die Durchblutung der feinen Gefäße in der Kopfhaut verbessern und so die Versorgung der Haarwurzeln unterstützen. Dieser Gedanke ist naheliegend, weil auch Minoxidil ursprünglich als gefäßerweiterndes Mittel entwickelt wurde. Ob die Durchblutung allerdings der entscheidende Faktor beim erblich bedingten Haarausfall ist, gilt als fraglich. Bislang beruht die Annahme vor allem auf Beobachtungen im Labor.

Laborversuche und Untersuchungen an Tieren deuten außerdem an, dass Inhaltsstoffe des Rosmarins die Wirkung männlicher Hormone an der Haarwurzel abschwächen könnten. Beim erblich bedingten Haarausfall reagieren die Haarwurzeln besonders empfindlich auf das Hormon Dihydrotestosteron, kurz DHT. Ob ein auf die Kopfhaut aufgetragenes Öl diesen Mechanismus beim Menschen in relevantem Maß beeinflusst, ist bislang nicht belegt. Ergebnisse aus dem Labor lassen sich nicht ohne Weiteres auf den Menschen übertragen.

Schließlich hat Rosmarinöl entzündungshemmende und antimikrobielle Eigenschaften. Bei einer gereizten, schuppenden Kopfhaut könnte das einen gewissen Nutzen haben. Gleichzeitig kann gerade ein ätherisches Öl die Haut selbst reizen. Was bei einem Menschen beruhigt, kann bei einem anderen eine Entzündung auslösen. Diese doppelte Seite gehört zu jeder ehrlichen Beschreibung eines pflanzlichen Wirkstoffs dazu. Ob eine solche Wirkung den Haarausfall beeinflusst, wurde nicht gezielt untersucht.


Bei welchem Haarausfall es überhaupt in Frage kommt

Die einzige aussagekräftige Studie betraf erblich bedingten Haarausfall bei Männern. Nur für diese Form gibt es also überhaupt einen Hinweis. Bei Frauen mit anlagebedingter Ausdünnung entlang des Scheitels ist die Lage noch unklarer, weil entsprechende Untersuchungen weitgehend fehlen. Wer das Öl ausprobieren möchte, sollte zuvor wissen, ob tatsächlich diese Form vorliegt und nicht eine andere Ursache.

Bei einem vorübergehenden Ausfall nach Infekt, Operation oder starker Belastung wachsen die Haare in der Regel von selbst nach. Wird in dieser Zeit Rosmarinöl verwendet, entsteht leicht der Eindruck, das Öl habe geholfen, obwohl die Erholung ohnehin eingetreten wäre. Genau solche Verläufe erklären viele begeisterte Erfahrungsberichte im Internet, die mit der tatsächlichen Wirkung des Öls wenig zu tun haben.

Ungeeignet ist Rosmarinöl bei Haarausfall durch Eisenmangel oder Schilddrüsenstörungen, denn hier muss die Ursache behandelt werden. Beim kreisrunden Haarausfall und bei narbigen Formen, die Haarwurzeln dauerhaft zerstören, kann ein Hausmittel sogar wertvolle Zeit kosten. Gerade bei rasch fortschreitendem Ausfall, sichtbarer Rötung oder Schmerzen der Kopfhaut gehört die Abklärung an den Anfang und nicht ans Ende.


Anwendung: worauf es ankommt


Verdünnung und Trägeröl

Reines ätherisches Rosmarinöl ist hoch konzentriert und sollte nicht unverdünnt auf die Kopfhaut gegeben werden. Üblich ist es, wenige Tropfen in ein neutrales Trägeröl wie Jojobaöl zu geben und die Mischung sparsam einzumassieren. Fertige Haaröle mit Rosmarin enthalten den Wirkstoff bereits verdünnt. Entscheidend ist eine regelmäßige Anwendung über viele Monate, nicht eine möglichst große Menge auf einmal.


Wie oft und wie lange einwirken

Eine verbindliche Empfehlung zur Häufigkeit gibt es nicht, weil die Studienlage dafür nicht ausreicht. Viele Anwender tragen die Mischung einmal täglich oder einige Male pro Woche auf und lassen sie mehrere Stunden oder über Nacht einwirken, bevor sie die Haare waschen. Wichtiger als ein genaues Schema ist, dass die Kopfhaut die Anwendung gut verträgt und dass man sie über lange Zeit gleichmäßig durchhält, statt nach wenigen Wochen aufzugeben.


Hautverträglichkeit

Ätherische Öle gehören zu den häufigeren Auslösern von Kontaktallergien. Vor der ersten Anwendung empfiehlt sich deshalb ein Test an einer kleinen Hautstelle, etwa in der Armbeuge. Rötung, Brennen oder Juckreiz sind ein Grund, das Öl abzusetzen. Wer schwanger ist oder an Epilepsie leidet, sollte ätherische Öle mit Kampferanteil wie Rosmarinöl nur nach ärztlicher Rücksprache verwenden. Augen und Schleimhäute dürfen nicht damit in Kontakt kommen.


Dauer und Erwartungen

Haare wachsen langsam. In der Studie zeigte sich nach drei Monaten noch nichts, erst nach sechs Monaten war eine Veränderung messbar. Wer Rosmarinöl ausprobiert, sollte deshalb mindestens ein halbes Jahr einplanen und den Ausgangszustand mit Fotos unter gleichen Bedingungen festhalten. Ohne diese Dokumentation bleibt am Ende nur ein Gefühl, das sich von einer echten Veränderung kaum unterscheiden lässt.


Was Rosmarinöl nicht kann

Rosmarinöl erzeugt keine neuen Haarwurzeln. Wo eine Haarwurzel über Jahre geschrumpft ist und kein sichtbares Haar mehr bildet, kann kein Öl sie zurückholen. Das gilt für kahle Geheimratsecken ebenso wie für eine glatte Tonsur. Allenfalls in Bereichen, in denen noch feine Haare wachsen, ist eine leichte Verbesserung denkbar. Wer das Gegenteil verspricht, beruft sich auf Studien, die es nicht gibt.

Rosmarinöl hält einen erblich bedingten Haarausfall auch nicht sicher auf. Für die bewährten Wirkstoffe liegen Studien mit tausenden Teilnehmern und Beobachtungen über viele Jahre vor. Für Rosmarinöl gibt es eine einzelne Studie über sechs Monate. Wer sich allein auf das Öl verlässt und dabei die Zeit verstreichen lässt, verliert unter Umständen Haare, die sich mit einer wirksamen Behandlung hätten erhalten lassen.

Schließlich ersetzt kein Öl die Frage nach der Ursache. Gerade bei Frauen, bei jungen Menschen mit raschem Ausfall oder bei Veränderungen der Kopfhaut kann hinter dem Haarausfall eine behandelbare Störung stecken. Ein Hausmittel ist in solchen Fällen nicht nur wirkungslos, sondern verzögert die richtige Behandlung. Das ist der eigentliche Nachteil, nicht der Preis eines Fläschchens Öl.


Woran man erkennt, ob es wirkt

Im Spiegel lässt sich eine Veränderung der Haardichte schlecht beurteilen, weil Licht, Frisur und Tagesform den Eindruck stark beeinflussen. Verlässlicher sind Fotos, die immer unter denselben Bedingungen entstehen: gleiche Lampe, gleicher Abstand, gleiche Kopfhaltung, trockenes und ungestyltes Haar. Am besten werden Scheitel, Stirn und Wirbel getrennt aufgenommen. Im Abstand von drei und sechs Monaten verglichen, zeigen solche Bilder, ob sich wirklich etwas verändert hat.

Noch genauer ist eine Messung in der Praxis. Mit einer standardisierten Aufnahme der Kopfhaut lassen sich die Haare auf einer festgelegten Fläche zählen und ihr Durchmesser beurteilen. Wird diese Messung zu Beginn und nach einigen Monaten wiederholt, entsteht ein objektiver Vergleich. So lässt sich unterscheiden, ob ein Mittel tatsächlich wirkt, ob der Haarausfall unverändert weiterläuft oder ob sich lediglich der persönliche Eindruck verändert hat.


Rosmarinöl und bewährte Behandlungen

Wer bereits Minoxidil oder Finasterid verwendet, sollte diese Behandlung nicht zugunsten von Rosmarinöl abbrechen. Beide Wirkstoffe wirken nur, solange sie angewendet werden, und nach dem Absetzen gehen die gewonnenen Haare innerhalb einiger Monate wieder verloren. Ob eine zusätzliche Anwendung von Rosmarinöl einen Vorteil bringt, ist nicht untersucht. Schaden muss sie bei guter Verträglichkeit nicht, sie sollte aber ärztlich besprochen werden.

Für Frauen mit anlagebedingter Ausdünnung ist Minoxidil der am besten untersuchte Wirkstoff zur äußerlichen Anwendung. Finasterid kommt für Frauen im gebärfähigen Alter dagegen in der Regel nicht in Frage. Wer als Frau zunächst einen pflanzlichen Weg gehen möchte, sollte vorher die häufigen Begleitursachen wie Eisenmangel, Schilddrüsenstörungen und hormonelle Veränderungen ausschließen lassen. Erst dann lässt sich sinnvoll beurteilen, ob ein Versuch mit Rosmarinöl überhaupt einen Platz hat.

Ist der Haarausfall bereits weit fortgeschritten, helfen weder Öl noch Medikamente, verlorene Bereiche wieder zu füllen. Dann kann eine Haartransplantation eine Möglichkeit sein, sofern am Hinterkopf genügend kräftige Haare zur Verfügung stehen. Auch in diesem Fall bleibt eine Behandlung der übrigen Haare sinnvoll, damit sie nicht weiter ausdünnen. Welche Kombination passt, entscheidet der Befund, nicht der Trend.


Fazit: Rosmarinöl ist eine Möglichkeit mit dünner Datenlage

Rosmarinöl ist kein Wundermittel, aber auch nicht völlig ohne Hinweis auf eine Wirkung. Eine einzelne Studie an Männern mit erblich bedingtem Haarausfall fand nach sechs Monaten eine Zunahme der Haare, vergleichbar mit niedrig dosiertem Minoxidil. Ohne Vergleichsgruppe mit Scheinpräparat und ohne Bestätigung durch größere Studien bleibt dieses Ergebnis vorläufig. Wer das Öl verdünnt und geduldig anwendet, geht bei guter Verträglichkeit nur ein geringes Risiko ein.

Wichtiger als die Wahl des Mittels ist die Frage, welche Form des Haarausfalls vorliegt. Davon hängt ab, ob Abwarten, eine gezielte Behandlung der Ursache, ein bewährter Wirkstoff oder ein Versuch mit Rosmarinöl sinnvoll ist. Ein sorgfältiger Befund kostet weniger Zeit als ein halbes Jahr mit dem falschen Mittel. Wenn Sie Ihren Haarausfall einordnen lassen möchten, können Sie über unsere Kontaktseite einen Termin in unserer Praxis in Hannover anfragen.

Bevor ein Mittel gegen feiner werdendes Haar eingesetzt wird, lohnt die Klärung, ob überhaupt ein Haarausfall vorliegt oder das Haar von Natur aus fein ist. Wie sich Veranlagung und beginnender Haarausfall bei dünnen Haaren unterscheiden, beschreibt der Beitrag Dünne Haare beim Mann: Veranlagung oder beginnender Haarausfall.


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