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PRP bei Haarausfall: Was die Eigenbluttherapie leisten kann

22. Sept.
8 Min. Lesezeit

Aktualisiert: 12. Okt.

Zwischen dem täglichen Auftragen einer Lösung und dem Entschluss zu einem Eingriff liegt eine Lücke, und in diese Lücke fällt für viele die Frage nach PRP. Die Eigenbluttherapie klingt naheliegend: körpereigenes Material, kein fremder Wirkstoff, kein Schnitt. Wer sie erwägt, findet allerdings Aussagen, die weit auseinandergehen, von deutlicher Verbesserung bis zu vollständiger Wirkungslosigkeit. Die nüchterne Einordnung beginnt nicht beim Verfahren, sondern bei der Frage, welche Form von Haarausfall vorliegt und wie weit sie fortgeschritten ist. Diese Antwort liefert ein ärztlicher Befund, nicht die Methode.

Dieser Artikel erklärt, was bei einer PRP-Behandlung geschieht, worauf die Wirkhypothese beruht und was die vorliegenden Untersuchungen hergeben. Er beschreibt den Ablauf einer Sitzung, die übliche Zahl der Termine und die Gründe für die stark schwankenden Ergebnisse. Und er benennt die Stellen, an denen das Verfahren nichts ausrichtet.


Frau im Porträt, Symbolbild zum Thema PRP Eigenbluttherapie bei Haarausfall, Sitzungen, Wirkung und Grenzen der Methode


Was bei einer PRP-Behandlung tatsächlich passiert

PRP steht für plättchenreiches Plasma. Am Anfang steht eine gewöhnliche Blutentnahme am Arm, meist wenige Milliliter. Das Blut wird in einer Zentrifuge in seine Bestandteile getrennt: Die roten Blutkörperchen setzen sich unten ab, darüber steht das Plasma mit den Blutplättchen. Aus dieser Schicht wird ein Konzentrat gewonnen, das anschließend in die Kopfhaut eingebracht wird.

Blutplättchen sind vor allem für ihre Rolle bei der Blutgerinnung bekannt. Sie enthalten daneben Speicherbläschen mit Signalstoffen, die bei einer Verletzung freigesetzt werden und die Reparatur des Gewebes anstoßen. Genau auf diesen zweiten Teil zielt das Verfahren ab. Es wird kein Wirkstoff von außen zugeführt, sondern eine körpereigene Fraktion in erhöhter Konzentration an eine Stelle gebracht, an der sie sonst nicht in dieser Menge vorkommt.

Für die Einordnung ist ein Punkt wesentlich: PRP ist kein zugelassenes Arzneimittel gegen Haarausfall. Es wird als ärztliche Einzelbehandlung erbracht, außerhalb eines formalen Zulassungsverfahrens. Das ist kein Ausschlussgrund, es verändert aber den Maßstab. Hinter dem Verfahren steht keine behördlich geprüfte Wirksamkeitsaussage, wie sie bei Minoxidil oder Finasterid vorliegt.


Die Wirkhypothese und was die Datenlage hergibt

Die Annahme lautet, dass die in den Blutplättchen enthaltenen Wachstumsfaktoren die Durchblutung im Umfeld der Haarwurzel verbessern, Zellen in der Follikelumgebung aktivieren und den Übergang aus der Ruhephase zurück in die Wachstumsphase begünstigen. Genannt werden dabei unter anderem PDGF, VEGF und IGF-1. Im Labor und im Zellmodell lassen sich Effekte dieser Art zeigen.

Zwischen Zellmodell und Kopfhaut liegt jedoch ein weiter Weg. Klinische Untersuchungen zu PRP bei Haarausfall gibt es in erheblicher Zahl, sie fallen aber sehr unterschiedlich aus. Ein Teil beschreibt eine messbare Zunahme der Haardichte, ein anderer Teil findet keinen Unterschied zur Scheinbehandlung. Zusammenfassende Auswertungen kommen deshalb zu vorsichtig formulierten Aussagen und nicht zu klaren Empfehlungen.

Diese Uneinheitlichkeit ist der eigentliche Befund, und sie gehört offen benannt. Sie bedeutet nicht, dass das Verfahren wirkungslos ist, und ebenso wenig, dass es verlässlich wirkt. Sie bedeutet, dass sich der Nutzen im Einzelfall vorab nicht vorhersagen lässt. Wer eine Behandlung mit dieser Erwartung beginnt, beurteilt sie danach, was am eigenen Kopf messbar ist, und nicht nach fremden Berichten.


Für welche Formen von Haarausfall es überhaupt geprüft ist

Der Großteil der Untersuchungen betrifft die androgenetische Alopezie, also den erblich bedingten Haarausfall bei Männern und Frauen. Dort ist die Ausgangslage klar umschrieben: Die Follikel verkleinern sich unter hormonellem Einfluss schrittweise, sie verschwinden aber nicht sofort. Genau diese noch vorhandenen, aber geschwächten Haarwurzeln sind das plausible Ziel einer Behandlung, die auf Regeneration setzt.

Beim diffusen Ausfall nach einem Auslöser, dem telogenen Effluvium, stellt sich die Frage anders. Dieser Verlauf endet in der Regel von selbst, sobald die Ursache behoben ist. Eine Behandlung, die auf Reaktivierung zielt, greift hier in einen Vorgang ein, der ohnehin zurückläuft. Eine Wirkung wäre von der natürlichen Erholung kaum zu trennen.

Beim kreisrunden Haarausfall liegen ebenfalls Untersuchungen vor, das Bild ist jedoch dünner, und die Erkrankung folgt einer anderen Logik, nämlich einer Fehlsteuerung des Immunsystems. Bei vernarbenden Formen, in denen der Follikel bereits durch Bindegewebe ersetzt worden ist, fehlt das Ziel vollständig. Die Zuordnung zur Diagnose entscheidet also darüber, ob eine Behandlung überhaupt sinnvoll erwogen werden kann.


Der Ablauf einer Sitzung

Eine Sitzung beginnt mit der Blutentnahme, wie sie von jeder Laboruntersuchung bekannt ist. Die Röhrchen kommen anschließend in die Zentrifuge, der Vorgang dauert einige Minuten. In dieser Zeit wird die Kopfhaut gereinigt und der zu behandelnde Bereich abgegrenzt. Vorbereitung und Aufbereitung laufen also nebeneinander her.

Danach wird das gewonnene Plasma mit einer feinen Nadel in vielen einzelnen Einstichen in die Kopfhaut eingebracht, verteilt in einem Raster über die betroffene Fläche. Die Tiefe orientiert sich an der Lage der Haarwurzeln. Das ist unangenehm, und je nach Empfindlichkeit wird die Kopfhaut vorher gekühlt oder örtlich betäubt. Die eigentliche Behandlung dauert selten länger als eine halbe Stunde.

Nicht für jeden kommt das Verfahren infrage. Bei Störungen der Blutgerinnung, unter gerinnungshemmender Medikation, bei bestimmten Bluterkrankungen, bei einer akuten Entzündung der Kopfhaut oder in der Schwangerschaft ist Zurückhaltung geboten oder eine Behandlung ausgeschlossen. Diese Punkte werden vor der ersten Sitzung erfragt, gemeinsam mit den regelmäßig eingenommenen Medikamenten.

Im Anschluss sind eine Rötung, ein Spannungsgefühl und gelegentlich eine leichte Schwellung normal. Sie klingen meist innerhalb eines Tages ab. Starke körperliche Belastung, Sauna und intensive Sonneneinstrahlung werden für kurze Zeit gemieden, ebenso aggressive Pflegeprodukte. Ein Ausfall im Alltag oder im Beruf entsteht durch die Behandlung in aller Regel nicht.


Wie viele Sitzungen und in welchem Abstand

Üblich ist eine Serie mehrerer Sitzungen im Abstand von einigen Wochen, gefolgt von größeren Abständen zur Erhaltung. Ein einheitliches, verbindlich festgelegtes Schema gibt es nicht. Die Protokolle unterscheiden sich zwischen den Untersuchungen ebenso wie zwischen den Praxen, und das ist einer der Gründe, weshalb sich Ergebnisse schlecht vergleichen lassen.

Klar ist dagegen, dass eine einzelne Sitzung keine Grundlage für eine Beurteilung ist. Das Haar wächst in Zyklen von Monaten. Was immer eine Behandlung anstößt, wird erst mit erheblicher Verzögerung sichtbar. Wer nach einem einzelnen Termin ein Urteil fällt, beurteilt den Zufall des Zeitpunkts und nicht die Behandlung.

Ebenso klar ist, dass ein erreichter Zustand nicht von allein bestehen bleibt. Die Ursache des erblich bedingten Ausfalls besteht fort, die hormonelle Wirkung auf den Follikel wird durch PRP nicht aufgehoben. Ohne Fortführung ist damit zu rechnen, dass sich das Bild wieder dem natürlichen Verlauf annähert. Diese Bedingung gehört vor die erste Sitzung, nicht danach.


Warum die Ergebnisse so unterschiedlich ausfallen

Die Spannweite der berichteten Ergebnisse ist auffällig groß, größer als bei den zugelassenen Wirkstoffen. Das liegt nur zum Teil an den behandelten Personen. Ein erheblicher Anteil geht auf das Verfahren selbst zurück, genauer darauf, dass hinter derselben Bezeichnung sehr unterschiedliche Behandlungen stehen können.

Zwei Punkte erklären den größten Teil dieser Streuung. Der erste betrifft die Herstellung des Konzentrats, der zweite den Zustand der Kopfhaut zum Zeitpunkt des Beginns. Beide lassen sich vor der ersten Sitzung wenigstens einschätzen, und beide sollten im Beratungsgespräch zur Sprache kommen.


Fehlende Standardisierung der Aufbereitung

PRP ist keine definierte Zubereitung, sondern ein Sammelbegriff. Die Systeme unterscheiden sich in der entnommenen Blutmenge, in Drehzahl und Dauer der Zentrifugation, in der Zahl der Durchgänge und darin, ob weiße Blutkörperchen im Konzentrat verbleiben. Damit unterscheidet sich auch die Konzentration der Blutplättchen im fertigen Präparat erheblich.

Zwei Praxen können also beide zutreffend von PRP sprechen und dennoch mit verschiedenen Präparaten arbeiten. Für den Vergleich von Studien ist das ein grundlegendes Problem. Für die Beurteilung eines Angebots ergibt sich daraus die berechtigte Frage, welches System zum Einsatz kommt und wie die Aufbereitung im Einzelnen abläuft.


Der Zustand der Follikel zu Beginn

Eine Behandlung, die auf Regeneration zielt, braucht etwas, das regeneriert werden kann. Wo noch dünne, kurze Härchen stehen und die Follikel verkleinert, aber vorhanden sind, ist ein Effekt vorstellbar. Wo die Kopfhaut über Jahre glatt und leer geblieben ist, fehlt diese Grundlage, und keine Art der Aufbereitung ändert daran etwas.

Deshalb fallen die Ergebnisse in frühen Stadien im Mittel besser aus als in fortgeschrittenen. Das ist keine Besonderheit von PRP, sondern gilt für jedes erhaltende Vorgehen. Es verschiebt aber die Frage vom Verfahren zum Zeitpunkt, und der Zeitpunkt lässt sich nur mit einer Untersuchung der Kopfhaut bestimmen.


Wo PRP nichts ausrichtet

Verlorene Follikel kehren nicht zurück. Ist die Haarwurzel untergegangen, existiert kein Ziel mehr für Wachstumsfaktoren. Eine kahle Zone, die seit Jahren unverändert geblieben ist, wird durch PRP nicht wieder bewachsen. Das ist der wichtigste Satz zu diesem Verfahren, und er wird in der Bewerbung solcher Angebote selten so deutlich formuliert.

Ebenso wenig verschiebt PRP eine Haarlinie nach vorn. Die Dichte kann dort zunehmen, wo noch Haare stehen. Eine neue Kontur entsteht dadurch nicht. Wer diese Erwartung mitbringt, wird das Ergebnis unabhängig von seiner tatsächlichen Qualität als Misserfolg erleben.

Und PRP beseitigt nicht die Ursache. Beim erblich bedingten Haarausfall bleibt die Empfindlichkeit der Follikel gegenüber Dihydrotestosteron bestehen. Das Verfahren setzt, wenn es wirkt, in der Umgebung des Follikels an und nicht an der hormonellen Steuerung. Deshalb steht es sinnvoll neben einer ursächlich ausgerichteten Behandlung und nicht an deren Stelle.

Und eine ungeklärte Diagnose gleicht das Verfahren ebenfalls nicht aus. Steht hinter dem Ausfall ein Eisenmangel, eine Störung der Schilddrüse oder eine entzündliche Erkrankung der Kopfhaut, bleibt diese Ursache bestehen, unabhängig davon, wie sorgfältig behandelt wird. Die Abklärung gehört deshalb vor jede Entscheidung über eine Ergänzung.


PRP im Zusammenspiel mit Wirkstoffen und Transplantation

In der Praxis wird PRP meist ergänzend eingesetzt. Die Basis bilden die Wirkstoffe mit belastbarer Datenlage, also topisches Minoxidil und, bei entsprechender Indikation und ärztlicher Begleitung, Finasterid. PRP kommt hinzu, wenn diese Basis steht und nicht ausreicht, oder wenn ein Wirkstoff nicht vertragen wird oder aus anderen Gründen nicht infrage kommt.

Rund um eine Haartransplantation wird PRP ebenfalls angeboten, mit der Überlegung, die Heilung zu unterstützen und das vorhandene Resthaar zu stabilisieren. Auch dazu liegen Untersuchungen mit uneinheitlichem Ergebnis vor. Unstrittig ist dagegen der zweite Teil der Überlegung: Das nicht verpflanzte Haar zwischen den Grafts bestimmt den Gesamteindruck mit und verdient eigene Aufmerksamkeit.

Die Reihenfolge ist damit vorgegeben. Zuerst die Diagnose, dann die Behandlung der Ursache, dann die Frage nach sinnvollen Ergänzungen. Wird PRP als erste und einzige Maßnahme begonnen, ohne dass geklärt ist, worum es sich handelt, ersetzt es eine Entscheidung, die es gar nicht treffen kann.


Wie sich beurteilen lässt, ob es bei Ihnen wirkt

Der Eindruck im Spiegel taugt als Maßstab wenig. Licht, Frisur, Feuchtigkeit und die eigene Aufmerksamkeit verändern ihn von Tag zu Tag. Brauchbar ist dagegen eine Dokumentation unter gleichen Bedingungen: dieselbe Kopfposition, dieselbe Beleuchtung, derselbe Abstand, aufgenommen vor dem Beginn und danach in festen Zeitabständen.

Genauer wird es mit einer trichoskopischen Messung an markierten Stellen der Kopfhaut, die Haardichte und Haarstärke erfasst. Erst solche Werte erlauben eine Aussage darüber, ob sich etwas verändert hat. Ein sinnvoller Beurteilungszeitpunkt liegt nicht vor Ablauf mehrerer Monate, weil der Haarzyklus einen schnelleren Nachweis nicht zulässt.

Bleibt eine Veränderung über diesen Zeitraum aus, ist auch das ein Ergebnis und kein Grund zum Weitermachen. Eine Behandlung ohne erkennbaren Effekt fortzuführen kostet Zeit, in der der zugrunde liegende Verlauf weitergeht. Der Abbruch ist dann die sachliche Konsequenz und keine Niederlage.


Fazit: Eine Ergänzung, kein Ersatz

PRP ist ein risikoarmes Verfahren mit einer nachvollziehbaren biologischen Überlegung und einer Datenlage, die uneinheitlich bleibt. Bei noch vorhandenen, aber geschwächten Follikeln kann es einen Beitrag leisten. Es ersetzt weder eine ursächlich ausgerichtete Behandlung noch eine Verpflanzung, und es bringt nichts zurück, was bereits verloren gegangen ist.

Wer es erwägt, entscheidet deshalb sinnvollerweise nicht zuerst über die Methode, sondern über Diagnose und Zeitpunkt. Steht beides fest, lässt sich klären, ob eine Ergänzung überhaupt etwas beitragen kann und woran sich das später ablesen ließe. Für dieses Gespräch und eine Untersuchung der Kopfhaut erreichen Sie uns über den Kontakt.

Microneedling wird häufig zusammen mit PRP angeboten oder als eigenständige Behandlung der Kopfhaut genutzt. Was die feinen Nadeln allein bewirken können, für wen sie infrage kommen und wo ihre Grenzen liegen, beschreibt der Beitrag Microneedling bei Haarausfall: Was die feinen Nadeln leisten können und wo die Grenzen liegen.


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