top of page

Dutasterid bei Haarausfall: Wirkung, Grenzen und Nebenwirkungen

4. Okt.
8 Min. Lesezeit

Aktualisiert: 18. Okt.

Wer sich länger mit erblich bedingtem Haarausfall beschäftigt, stößt früher oder später auf Dutasterid. In Foren wird der Wirkstoff oft als stärkere Alternative zu Finasterid beschrieben, manchmal als letzte Möglichkeit, bevor nur noch eine Transplantation bleibt. Zugleich kursieren Warnungen vor Nebenwirkungen, die viele verunsichern. Beides hat einen wahren Kern, und beides wird häufig übertrieben. Eine sachliche Einordnung beginnt bei der Frage, welche Form von Haarausfall überhaupt vorliegt, denn nur bei erblich bedingtem Haarausfall ist der Wirkmechanismus sinnvoll. Diese Frage klärt eine ärztliche Haaranalyse.

Dieser Artikel erklärt, wie Dutasterid wirkt, worin es sich von Finasterid unterscheidet und welchen rechtlichen Status es bei Haarausfall in Deutschland hat. Er beschreibt, was sich realistisch erwarten lässt, welche Nebenwirkungen und Besonderheiten bekannt sind und für wen der Wirkstoff eher nicht infrage kommt. Er richtet sich an Männer, die eine Behandlung erwägen.


Mann mit kurzem Bart in dunklem Hemd, Schwarzweißporträt, Symbolbild zum Thema Dutasterid bei Haarausfall, Finasterid, erblich bedingter Haarausfall, DHT


Wie Dutasterid wirkt

Bei erblich bedingtem Haarausfall reagieren die Haarwurzeln am Oberkopf und an den Schläfen empfindlich auf Dihydrotestosteron. Dieses Hormon entsteht im Körper aus Testosteron, und zwar mithilfe eines Enzyms namens 5-Alpha-Reduktase. Unter dem Einfluss von Dihydrotestosteron verkürzt sich die Wachstumsphase der betroffenen Haare, und die Haarwurzeln werden über Jahre kleiner. Am Ende stehen nur noch feine, kurze Haare.

Dutasterid hemmt dieses Enzym und senkt dadurch den Spiegel von Dihydrotestosteron im Körper. Die Haarwurzeln werden entlastet, der Prozess des Schrumpfens verlangsamt sich, und bei einem Teil der Betroffenen gewinnen bereits geschwächte Haare wieder an Dicke. Der Wirkstoff greift damit an derselben Stelle an wie Finasterid, allerdings breiter und stärker.

Dabei ist wichtig zu verstehen, dass Männer mit erblich bedingtem Haarausfall in der Regel keinen erhöhten Hormonspiegel haben. Entscheidend ist die Empfindlichkeit der einzelnen Haarwurzeln, und diese ist genetisch angelegt. Deshalb verlieren manche Männer schon mit Anfang zwanzig Haare, während andere bis ins hohe Alter volles Haar behalten. Die Behandlung verändert die Empfindlichkeit nicht, sie verringert nur die Menge des auslösenden Hormons.


Zwei Formen des Enzyms

Die 5-Alpha-Reduktase kommt in zwei wesentlichen Formen vor, die in unterschiedlichen Geweben aktiv sind. Finasterid hemmt vor allem eine dieser Formen. Dutasterid hemmt beide. Das erklärt, warum Dutasterid den Spiegel von Dihydrotestosteron im Blut deutlich stärker senkt als Finasterid. Ob diese stärkere Senkung sich im Einzelfall auch in mehr Haar übersetzt, ist eine andere Frage.


Dutasterid im Vergleich zu Finasterid

In Vergleichsstudien zeigte Dutasterid bei Männern mit erblich bedingtem Haarausfall teilweise eine etwas stärkere Wirkung auf die Haarzahl als Finasterid. Die Unterschiede sind vorhanden, aber nicht so groß, wie manche Darstellungen im Internet nahelegen. Für viele Männer bedeutet das, dass Finasterid bereits eine ausreichende Wirkung entfaltet und ein Wechsel keinen großen Zusatznutzen bringt.

Interessant wird Dutasterid vor allem dann, wenn Finasterid über einen ausreichend langen Zeitraum konsequent eingenommen wurde und der Haarausfall trotzdem fortschreitet. In dieser Situation kann ein Wechsel erwogen werden. Die Entscheidung sollte auf einer dokumentierten Verlaufskontrolle beruhen, idealerweise mit Aufnahmen unter Vergrößerung, und nicht auf dem subjektiven Eindruck einzelner Tage.

Ein Wechsel sollte zudem nicht zu früh erfolgen. Weil jede Behandlung dieser Art Monate braucht, um ihre Wirkung zu zeigen, ist ein Urteil nach wenigen Wochen nicht belastbar. Wer zu schnell zwischen Wirkstoffen wechselt, kann am Ende keinen von ihnen sicher beurteilen. Geduld und eine saubere Dokumentation sind hier wertvoller als der Wunsch nach dem stärksten verfügbaren Mittel.


Die lange Wirkdauer

Ein wichtiger Unterschied betrifft die Verweildauer im Körper. Dutasterid wird sehr langsam abgebaut und ist noch Wochen bis Monate nach der letzten Einnahme nachweisbar. Das hat Vor- und Nachteile. Eine vergessene Einnahme spielt kaum eine Rolle. Treten aber Nebenwirkungen auf, klingen sie nach dem Absetzen nicht so schnell ab wie bei Wirkstoffen mit kurzer Verweildauer. Diese Eigenschaft sollte vor Beginn bekannt sein.


Der rechtliche Status in Deutschland

Dutasterid ist in Deutschland zur Behandlung der gutartigen Vergrößerung der Prostata zugelassen, nicht aber zur Behandlung von Haarausfall. In einzelnen Ländern außerhalb Europas besteht eine Zulassung für erblich bedingten Haarausfall bei Männern. Hierzulande erfolgt die Verordnung bei Haarausfall deshalb im sogenannten Off-Label-Use, also außerhalb der zugelassenen Anwendung.

Ein Off-Label-Use ist rechtlich zulässig, verlangt aber eine besonders sorgfältige Aufklärung. Der verordnende Arzt muss den Patienten über den fehlenden Zulassungsstatus, die Datenlage und die bekannten Risiken informieren. Die Verordnung erfolgt in der Regel auf Privatrezept. Eine Bestellung ohne ärztliche Untersuchung über fragwürdige Quellen ist dagegen mit Risiken verbunden, die weit über den Wirkstoff selbst hinausgehen.

Das betrifft vor allem die Qualität der Präparate und die fehlende Voruntersuchung. Ohne ärztliche Abklärung bleibt offen, ob überhaupt ein erblich bedingter Haarausfall vorliegt, ob Gegenanzeigen bestehen und ob Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten zu erwarten sind. Auch die spätere Begleitung fehlt, obwohl gerade sie bei einer langfristigen Behandlung entscheidend ist.


Was sich realistisch erwarten lässt

Dutasterid wirkt langsam. Die ersten Veränderungen zeigen sich meist nach mehreren Monaten, eine aussagekräftige Beurteilung ist frühestens nach etwa einem halben bis einem Jahr möglich. In den ersten Wochen kann es sogar zu einem vorübergehend verstärkten Haarausfall kommen, weil geschwächte Haare in einen neuen Zyklus eintreten. Dieser Effekt ist kein Zeichen von Unwirksamkeit.

Das wichtigste Ziel der Behandlung ist, den vorhandenen Bestand zu halten. Eine Verdichtung bereits ausgedünnter Bereiche ist möglich, aber nicht die Regel. Vollständig kahle Stellen, an denen die Haarwurzeln erloschen sind, bewachsen sich durch Dutasterid nicht neu. Wer mit dieser realistischen Erwartung beginnt, beurteilt den Verlauf gelassener als jemand, der eine Rückkehr zum früheren Haarbild erhofft.

Für die Beurteilung eignen sich standardisierte Fotos, die unter gleichem Licht, aus gleichem Winkel und mit gleicher Frisur aufgenommen werden. Noch genauer sind Aufnahmen mit Vergrößerung, bei denen sich Haardichte und Haardicke in einem markierten Bereich vergleichen lassen. Solche Messungen zeigen oft eine Stabilisierung, die im Spiegel nicht auffällt, und helfen, eine begründete Entscheidung über die Fortsetzung zu treffen.


Die Wirkung hält nur bei Einnahme an

Wie bei Finasterid gilt auch hier: Die Wirkung besteht nur, solange der Wirkstoff eingenommen wird. Nach dem Absetzen steigt der Spiegel von Dihydrotestosteron wieder an, und der Haarausfall setzt sich dort fort, wo er ohne Behandlung stünde. Die Entscheidung für Dutasterid ist deshalb eine Entscheidung für eine langfristige Behandlung, die bewusst getroffen werden sollte.


Nebenwirkungen und Besonderheiten

Die bekanntesten Nebenwirkungen betreffen die Sexualfunktion. Dazu gehören eine verminderte Lust, Erektionsstörungen und eine veränderte Ejakulation. Sie treten bei einem kleinen Teil der Anwender auf und bilden sich nach dem Absetzen in der Regel zurück, wegen der langen Verweildauer allerdings mit Verzögerung. Seltener kommt es zu einem Spannungsgefühl oder einer Vergrößerung der Brustdrüse.

Aus Studien zu Finasterid ist bekannt, dass bereits das Wissen um mögliche sexuelle Nebenwirkungen deren Häufigkeit beeinflussen kann. Das spricht nicht gegen eine offene Aufklärung, die selbstverständlich ist. Es spricht aber für eine ruhige Einordnung ohne Dramatisierung und für eine Begleitung, in der Beschwerden ernst genommen und sorgfältig von anderen Ursachen unterschieden werden.

Für die Wirkstoffgruppe werden außerdem Veränderungen der Stimmung diskutiert. Wer eine depressive Verstimmung oder andere psychische Veränderungen bemerkt, sollte das umgehend ärztlich ansprechen und die Behandlung nicht ohne Rücksprache fortsetzen. Eine offene Nachfrage im Verlauf gehört zu einer verantwortungsvollen Begleitung dieser Behandlung ebenso wie die Aufklärung zu Beginn.


Der Einfluss auf den PSA-Wert

Eine Besonderheit, die häufig übersehen wird, betrifft die Vorsorge. Dutasterid senkt den PSA-Wert im Blut, einen Laborwert, der zur Früherkennung von Prostatakrebs genutzt wird, erheblich. Wer Dutasterid einnimmt, muss das bei jeder Vorsorgeuntersuchung angeben, damit der Wert richtig bewertet wird. Andernfalls könnte ein erhöhter Wert fälschlich unauffällig erscheinen.


Blutspende und Schwangerschaft

Während der Einnahme und für mehrere Monate danach darf kein Blut gespendet werden, weil der Wirkstoff sonst an eine schwangere Empfängerin gelangen könnte. Frauen, die schwanger sind oder schwanger werden könnten, dürfen Dutasterid nicht einnehmen und sollten beschädigte Kapseln nicht berühren, da der Wirkstoff über die Haut aufgenommen werden kann und die Entwicklung eines männlichen Kindes stören könnte.


Für wen Dutasterid eher nicht infrage kommt

Nicht geeignet ist Dutasterid bei Haarausfall, der nicht erblich bedingt ist. Kreisrunder Haarausfall, ein vorübergehender Haarausfall nach Stress oder Krankheit, ein Mangelzustand oder eine entzündliche Erkrankung der Kopfhaut sprechen auf diesen Wirkmechanismus nicht an. Hier wäre die Einnahme nicht nur nutzlos, sie würde auch die eigentliche Ursache verdecken und wertvolle Zeit kosten.

Zurückhaltung ist außerdem angebracht bei Männern mit aktuellem Kinderwunsch, bei bestehenden Störungen der Sexualfunktion und bei psychischen Vorerkrankungen. Für Frauen ist Dutasterid nur in sehr ausgewählten Situationen und unter strenger ärztlicher Kontrolle ein Thema, in der Regel nach den Wechseljahren. Bei jungen Männern, deren Haarausfall gerade erst beginnt, reicht oft eine weniger stark wirkende Behandlung.

Bei Kinderwunsch ist zusätzlich zu bedenken, dass Dutasterid die Menge der Samenflüssigkeit und die Zahl der Spermien verringern kann. Diese Veränderungen sind in der Regel gering und nach dem Absetzen rückläufig, wegen der langen Verweildauer aber nicht sofort. Wer eine Familie plant, sollte die Behandlung deshalb vorab ärztlich besprechen und den zeitlichen Ablauf gemeinsam festlegen.


Dutasterid als Injektion in die Kopfhaut

Neben der Einnahme als Kapsel wird Dutasterid auch in sehr kleinen Mengen direkt in die Kopfhaut gespritzt. Dahinter steht die Idee, die Wirkung auf die Kopfhaut zu konzentrieren und den Körper insgesamt weniger zu belasten. Die bisherige Studienlage ist jedoch klein, die Behandlungsschemata sind uneinheitlich, und belastbare Daten zur Langzeitwirkung fehlen. Diese Form sollte deshalb nicht als gesicherter Standard gelten.

Hinzu kommt, dass auch bei der Injektion ein Teil des Wirkstoffs in den Blutkreislauf gelangt. Die Regeln zu Blutspende, Schwangerschaft und PSA-Wert gelten deshalb grundsätzlich auch hier. Wer diese Form in Betracht zieht, sollte sich nicht von der Aussicht auf weniger Nebenwirkungen leiten lassen, sondern die unsichere Datenlage in die Abwägung einbeziehen und die Behandlung nur ärztlich begleitet durchführen.


Dutasterid und Haartransplantation

Eine medikamentöse Behandlung und eine Haartransplantation schließen sich nicht aus, sie ergänzen sich häufig. Die verpflanzten Haare stammen aus dem Spenderbereich und sind weitgehend unempfindlich gegenüber Dihydrotestosteron. Sie brauchen den Wirkstoff in der Regel nicht. Das umgebende eigene Haar am Oberkopf kann dagegen weiter ausdünnen, wenn der Haarausfall unbehandelt fortschreitet.

Wer vor einer Transplantation seinen Haarausfall stabilisiert, schafft eine verlässlichere Grundlage für die Planung. Es lässt sich besser abschätzen, welche Bereiche langfristig ersetzt werden müssen und wie viele Transplantate dafür sinnvoll sind. Das schont den begrenzten Spenderbereich. Ob Dutasterid, Finasterid oder ein anderer Weg dafür der richtige ist, hängt vom Befund und von der persönlichen Abwägung ab.

Wird eine Behandlung erst kurz vor dem Eingriff begonnen, lässt sich ihre Wirkung noch nicht beurteilen. Sinnvoller ist es, einige Monate Vorlauf einzuplanen oder die Transplantation so zu gestalten, dass sie auch ohne medikamentöse Stabilisierung ein stimmiges Ergebnis erwarten lässt. Nach dem Eingriff wird die Behandlung in der Regel fortgesetzt, sofern sie gut vertragen wird und der Befund dafür spricht.


Wie eine Behandlung ärztlich begleitet wird

Am Anfang steht ein ausführliches Gespräch über den bisherigen Verlauf, frühere Behandlungen, Vorerkrankungen und eingenommene Medikamente. Es folgt eine Untersuchung von Kopfhaut und Haar mit Vergrößerung, die den erblich bedingten Haarausfall bestätigt und andere Ursachen abgrenzt. Erst wenn der Befund klar ist, wird besprochen, ob Dutasterid überhaupt infrage kommt oder ob ein anderer Weg sinnvoller ist.

Im weiteren Verlauf sind Kontrollen in größeren Abständen sinnvoll. Sie dienen dazu, die Wirkung zu dokumentieren, Nebenwirkungen früh zu erkennen und die Behandlung gegebenenfalls anzupassen oder zu beenden. Bei Männern im Alter der Prostatavorsorge wird zudem geklärt, wie der veränderte PSA-Wert künftig zu bewerten ist. Eine solche Begleitung macht aus einer Einnahme eine überlegte Behandlung.


Fazit: Ein wirksamer Wirkstoff, der gute Gründe braucht

Dutasterid hemmt die Bildung von Dihydrotestosteron stärker als Finasterid und kann erblich bedingten Haarausfall bei Männern verlangsamen. In Deutschland wird es dafür außerhalb der Zulassung eingesetzt. Die Wirkung entwickelt sich über Monate und hält nur bei fortgesetzter Einnahme an. Nebenwirkungen, der Einfluss auf den PSA-Wert und die Regeln zu Blutspende und Schwangerschaft gehören vor Beginn offen besprochen.

Für viele Männer ist Dutasterid nicht der erste Schritt, sondern eine Option, wenn eine andere Behandlung nicht ausreicht. Die Entscheidung sollte auf einem gesicherten Befund und einer dokumentierten Verlaufskontrolle beruhen. Wer den eigenen Haarausfall einordnen und die Möglichkeiten besprechen möchte, kann über die Kontaktseite einen Termin in unserer Praxis in Hannover anfragen.

Neben Wirkstoffen, die am Hormonstoffwechsel ansetzen, gibt es Verfahren, die über einen gezielten Reiz der Kopfhaut wirken sollen. Was über eines davon bekannt ist, für wen es infrage kommt und welche Grenzen es hat, beschreibt der Beitrag Microneedling bei Haarausfall: Was die feinen Nadeln leisten können und wo die Grenzen liegen.

Dutasterid greift in den Stoffwechsel des Testosterons ein. Warum nicht die Menge an Testosteron, sondern die Empfindlichkeit der Haarwurzeln entscheidet und welche Rolle Hormonwerte im Blut spielen, beschreibt der Beitrag Haarausfall durch Testosteron: Warum nicht der Hormonspiegel entscheidet.


Passend dazu

 
 
bottom of page