top of page

Haartransplantation Ablauf: Der Behandlungstag Schritt für Schritt

21. Sept.
8 Min. Lesezeit

Aktualisiert: 12. Okt.

Wer einen Termin für eine Haartransplantation hat, weiß meist ungefähr, was gemacht wird, aber selten, wie sich der Tag anfühlt. Wann wird gezeichnet, wann rasiert, wie lange wirkt die Betäubung, ab wann darf man aufstehen. Diese Unklarheit ist der häufigste Grund für Anspannung am Morgen, obwohl der Tag selbst ruhig verläuft und aus klar getrennten Abschnitten besteht, die in gleichmäßigem Tempo aufeinander folgen. Das meiste davon wird bereits bei der Haaranalyse festgelegt, sodass am Behandlungstag kaum noch grundsätzliche Fragen offen sind und es im Wesentlichen um die saubere Umsetzung des Besprochenen geht.

Dieser Artikel erklärt den Behandlungstag in der Reihenfolge, in der er tatsächlich abläuft: von der Ankunft über das Zeichnen der Haarlinie, die Betäubung, die Entnahme und das Einsetzen bis zum Verband und den ersten Stunden danach. Dazu, wie lange die einzelnen Abschnitte ungefähr dauern und was am Abend zu erwarten ist.


Mann im Porträt, Symbolbild zum Thema Ablauf einer Haartransplantation, Behandlungstag, Entnahme und Einsetzen der Grafts


Was vor dem Behandlungstag bereits feststehen muss

Der Behandlungstag ist kein Tag der grundsätzlichen Entscheidungen. Ob überhaupt operiert wird, welcher Bereich versorgt wird, wie viele Grafts realistisch entnommen werden können und mit welcher Technik gearbeitet wird, gehört in die Voruntersuchung. Dort werden auch die Kopfhaut beurteilt, die Dichte des Spenderbereichs gemessen und die Laborwerte kontrolliert.

Dazu gehört die ehrliche Prüfung, ob der Zeitpunkt stimmt. Bei einem aktiven, noch fortschreitenden Verlust ist Abwarten und eine medikamentöse Stabilisierung häufig sinnvoller als ein früher Eingriff, weil sonst um das transplantierte Areal herum weiter Haar verloren geht und Lücken entstehen, die eine zweite Sitzung nötig machen.

Praktisch besprochen werden vorher außerdem die Einnahme blutverdünnender Mittel, der Verzicht auf Alkohol in den Tagen davor und der Umgang mit Nikotin. Nüchtern müssen Sie nicht kommen, im Gegenteil: Ein normales Frühstück am Morgen ist sinnvoll, weil der Tag lang wird und der Kreislauf stabil bleiben soll.


Ankunft und letzte Abstimmung

Der Tag beginnt in der Regel am frühen Vormittag. Nach der Aufnahme werden der Ausgangsbefund noch einmal angesehen und Fotos zur ärztlichen Dokumentation angefertigt. Sie ziehen sich um, meist in ein Oberteil, das später nicht über den Kopf gezogen werden muss, und bekommen Zeit, anzukommen.

Es folgt ein kurzes Gespräch mit dem behandelnden Arzt. Dabei werden der geplante Umfang, die versorgten Zonen und die Erwartungen an das Ergebnis noch einmal abgeglichen, offene Fragen beantwortet und die Einwilligung besprochen. Wer an dieser Stelle unsicher ist, sagt es besser jetzt als später, denn danach beginnt die Vorbereitung.

Blutdruck und Puls werden kontrolliert. Wer sehr angespannt ist, kann in Absprache ein leichtes Beruhigungsmittel erhalten. Das ist keine Narkose, sondern nimmt nur die Nervosität; wer es nimmt, sollte an diesem Tag nicht selbst Auto fahren und den Rückweg vorher organisieren.


Das Zeichnen der Haarlinie

Die Planung der Haarlinie ist die dauerhafteste Entscheidung des Tages. Fast alles andere lässt sich im Verlauf noch anpassen, die Lage der vordersten Linie nicht: Ein einmal gesetztes Graft bleibt dort, wo es sitzt. Eine zu tief gezogene Linie lässt sich später nur mit erheblichem Aufwand korrigieren, und der Spenderbereich ist begrenzt.

Gezeichnet wird deshalb im Sitzen, aufrecht, bei gutem Licht und im Spiegel. Beurteilt werden der Abstand zu den Augenbrauen, die Proportionen des Gesichts, die Form der seitlichen Ecken und der Verlauf im Profil. Das Anheben der Stirn zeigt, wo die natürliche Grenze der Kopfhaut verläuft, und dient als Orientierung.

Mitgeplant wird das Alter. Eine Linie, die mit dreißig Jahren passt, muss mit fünfzig noch stimmig aussehen, wenn ringsherum weiteres Haar fehlt. Sie wird daher meist etwas zurückhaltender gesetzt, als sie sich der Patient im ersten Moment wünscht, und leicht unregelmäßig statt schnurgerade. Erst wenn Sie zustimmen, wird weitergearbeitet.


Rasur und Vorbereitung

Anschließend wird rasiert. Je nach Technik und Umfang betrifft das den gesamten Kopf oder nur den Spenderbereich am Hinterkopf und an den Seiten. Eine kurze Millimeterlänge ist notwendig, weil nur so der Austrittswinkel jedes einzelnen Haares sichtbar ist und die Entnahme sauber gesteuert werden kann.

Danach werden Kopfhaut und Umgebung desinfiziert und abgedeckt, die Markierungen bleiben sichtbar. Sie werden gelagert, je nach Arbeitsschritt bäuchlings oder halb sitzend, und das Team erklärt, wie Sie sich bemerkbar machen, wenn Sie eine Pause, etwas zu trinken oder eine andere Position brauchen.


Die örtliche Betäubung

Gearbeitet wird in örtlicher Betäubung, nicht in Vollnarkose. Sie sind wach, ansprechbar und können zwischendurch aufstehen. Betäubt wird zunächst nur der Spenderbereich, mit mehreren kleinen Einspritzungen entlang seines Randes, sodass das gesamte Feld nach kurzer Zeit gefühllos ist.

Diese Minuten empfinden viele als den unangenehmsten Teil des Tages. Danach bleibt ein Druck- und Berührungsgefühl, aber kein Schmerz. Die Wirkung wird geprüft und, wenn nötig, ergänzt. Im Verlauf des Tages wird sie mehrfach aufgefrischt, weil die Behandlung länger dauert als eine einzelne Betäubung anhält.

Der Empfängerbereich an Stirn und Oberkopf wird erst später betäubt, kurz bevor dort gearbeitet wird, und nicht bereits am Morgen. Kreislauf und Befinden werden über den Tag beobachtet. Wenn Ihnen unwohl wird, wird unterbrochen; das ist unproblematisch, kommt gelegentlich vor und kostet nur wenig Zeit.


Die Entnahme

Entnommen wird aus dem Haarkranz am Hinterkopf und über den Ohren. Die Haarwurzeln dieser Zone reagieren genetisch bedingt kaum auf das Hormon, das den erblichen Haarverlust auslöst, und sie behalten diese Eigenschaft auch nach der Verpflanzung an ihrer neuen Stelle. Darauf beruht das gesamte Verfahren.

Die Grafts werden über die gesamte Zone verteilt entnommen, nicht aus einem einzigen Feld, damit dort keine sichtbare Lichtung zurückbleibt. Wie viel überhaupt entnommen werden kann, begrenzt die Dichte des Spenderbereichs. Bei der FUE-Methode geschieht das einzeln, ohne Entfernung eines Hautstreifens.


Wie die Grafts herausgelöst werden

Verwendet wird eine feine Hohlnadel mit weniger als einem Millimeter Durchmesser. Sie wird genau im Winkel des jeweiligen Haares angesetzt und löst die Wurzel mit dem umgebenden Gewebe rundherum aus dem Verbund. Anschließend wird das Graft mit einer Pinzette vorsichtig herausgenommen, ohne die Wurzel zu quetschen.

Zurück bleiben punktförmige Öffnungen, die offen abheilen und nicht genäht werden. Die Arbeit läuft in einem gleichmäßigen Rhythmus, je nach Anzahl der Grafts über mehrere Stunden hinweg und unterbrochen von Pausen, in denen Sie die Position wechseln oder etwas trinken können. Für Sie ist dieser Abschnitt der längste und zugleich der ereignisärmste des Tages.


Sortierung und Zwischenlagerung

Die entnommenen Grafts werden unter Vergrößerung geprüft und danach sortiert, wie viele Haare sie enthalten: Einzelhaare, Zweier- und Dreiergruppen. Diese Einteilung entscheidet später, wo das jeweilige Graft eingesetzt wird, und ist eine Voraussetzung für einen natürlichen Übergang an der Stirn.

Bis zum Einsetzen liegen sie in einer gekühlten Lösung. Die Zeit außerhalb des Körpers wird so kurz wie möglich gehalten, weil die Empfindlichkeit der Wurzeln mit der Dauer zunimmt. Grafts, die beim Herauslösen beschädigt wurden, werden aussortiert und nicht verwendet.


Die Eröffnung der Empfängerkanäle

Ist der Empfängerbereich betäubt, werden dort feine Öffnungen angelegt, in die die Grafts später gesetzt werden. Dieser Schritt bestimmt das spätere Bild stärker als jeder andere, denn mit ihm werden Winkel, Wuchsrichtung, Tiefe und Abstand festgelegt, und das Haar wächst genau so, wie der Kanal es vorgibt.

Der Winkel folgt der Richtung, in die das Haar in der jeweiligen Zone von Natur aus wächst: an der Stirn flach nach vorn, an den Seiten schräg, am Wirbel kreisförmig. Größe und Abstand der Öffnungen richten sich danach, ob dort ein Einzelhaar oder eine größere Gruppe hineinkommt.

Vorhandenes Haar wird dabei geschont, was in Bereichen mit ausgedünntem, aber noch vorhandenem Bestand langsames Arbeiten erfordert. Ob mit Nadeln oder mit klingenförmigen Instrumenten gearbeitet wird, ist eine Frage des Verfahrens; bei der Einsetztechnik mit Implantationsstift entfällt dieser Schritt als eigener Abschnitt.


Das Einsetzen

Nun werden die Grafts einzeln in die vorbereiteten Öffnungen gesetzt, mit einer feinen Pinzette oder einem Implantationsstift. Das ist gleichmäßige, geduldige Handarbeit, an der meist mehrere geschulte Assistenzkräfte unter ärztlicher Kontrolle beteiligt sind, damit die Zeit außerhalb des Körpers kurz bleibt.

Gearbeitet wird von vorn nach hinten und Reihe für Reihe. Zwischendurch wird kontrolliert, ob jedes Graft in der richtigen Tiefe sitzt und in die vorgesehene Richtung zeigt. Für Sie ist dieser Abschnitt schmerzfrei; die meisten hören Musik, sehen etwas an oder schlafen zwischendurch ein.


Die vorderste Reihe

In die vorderste Reihe kommen ausschließlich Einzelhaargrafts. Sie werden bewusst unregelmäßig und in flachem Winkel gesetzt, weil eine exakt gerade, dicht bepflanzte Kante künstlich wirkt. Der Übergang zur Stirn soll weich sein und aus kurzer Distanz keine erkennbare Grenze zeigen.

Dieser schmale Streifen kostet überdurchschnittlich viel Zeit und prägt den späteren Eindruck stärker als die Gesamtzahl der eingesetzten Grafts. Er entscheidet darüber, ob die Behandlung im Alltag auffällt oder nicht, und ist der Grund, warum an dieser Stelle langsamer gearbeitet wird als in allen übrigen Zonen.


Verteilung nach hinten

Dahinter werden Zweier- und Dreiergruppen verwendet. Sie erzeugen den Eindruck von Fülle, ohne dass an der Front die feine Struktur verloren geht. Am Wirbel folgt die Anordnung der natürlichen kreisenden Wuchsrichtung, was einen eigenen Zuschnitt der Winkel verlangt und schwieriger zu planen ist als eine gerade Fläche.

Weil die Menge begrenzt ist, wird sie bewusst verteilt: Die vorderen Zonen, die das Gesicht rahmen und im Spiegel wie auf Fotos zuerst wahrgenommen werden, erhalten Vorrang vor dem Oberkopf. Eine gleichmäßig dünne Verteilung über alle Bereiche wirkt am Ende weniger überzeugend.


Abschluss, Verband und die ersten Stunden

Zum Schluss werden Spender- und Empfängerbereich gereinigt und kontrolliert. Der Hinterkopf bekommt einen Verband, der Empfängerbereich bleibt offen, weil die Grafts in den ersten Stunden nicht gedrückt werden dürfen. Häufig wird zusätzlich ein Stirnband angelegt, das eine spätere Schwellung nach unten ableitet.

Sie erhalten die Anweisungen für die nächsten Tage: wie geschlafen wird, wann und wie gewaschen wird, welche Medikamente eingenommen werden und worauf zu achten ist. Die Termine für Kontrolle und die erste angeleitete Haarwäsche werden festgelegt, bevor Sie die Praxis verlassen.

In den ersten Stunden nach der Behandlung ist die Kopfhaut noch taub, später stellt sich ein Spannungsgefühl ein. Geschlafen wird mit erhöhtem Oberkörper. Berühren, Kratzen und Mützen sind in dieser Phase tabu, weil die Grafts noch nicht fest verankert sind.


Wie lange der Tag dauert und was Sie mitbringen sollten

Planen Sie den gesamten Tag ein. Vom Eintreffen bis zum Verlassen der Praxis vergehen bei den meisten Behandlungen viele Stunden, häufig vom Vormittag bis in den späteren Nachmittag. Wie lange es genau dauert, hängt vor allem von der Zahl der Grafts und der Beschaffenheit der Kopfhaut ab.

Sinnvoll sind bequeme Kleidung mit Knopf- oder Reißverschluss, Kopfhörer oder etwas zu lesen, eine Begleitung oder ein organisierter Rückweg und Zeitpuffer am Abend. Termine oder Verpflichtungen direkt im Anschluss sollten Sie nicht einplanen; die meisten sind nach dem Tag schlicht müde.


Der Tag danach

Am Folgetag wird kontrolliert und der Verband gewechselt. An den eingesetzten Grafts bilden sich kleine Krusten, die in den ersten Tagen deutlich sichtbar sind und sich im Laufe von etwa zwei Wochen mit der angeleiteten Wäsche lösen. Vorsichtiges, weiches Waschen gehört ausdrücklich dazu.

Eine Schwellung an Stirn und Augenlidern ist möglich. Sie tritt meist nicht sofort auf, sondern nach ein bis zwei Tagen, wandert nach unten und geht von selbst zurück. Der Spenderbereich verschließt sich in den ersten Tagen; Sport, Sauna, Schwimmbad und direkte Sonne bleiben zunächst aus.

Nach einigen Wochen fallen die verpflanzten Haare überwiegend aus. Das ist erwartet und kein Rückschlag: Der Schaft wird abgestoßen, die Wurzel bleibt und beginnt anschließend erneut zu wachsen. Bis sich das Bild beurteilen lässt, vergehen viele Monate, in denen der Kopf zwischenzeitlich schlechter aussehen kann als vorher.


Fazit: Ein langer, aber ruhiger Tag

Der Behandlungstag ist lang, aber unspektakulär. Er besteht aus klar getrennten Abschnitten, die in gleichmäßigem Tempo abgearbeitet werden, und aus einer einzigen Entscheidung, die nicht mehr rückgängig zu machen ist: der Planung der Haarlinie. Alles Übrige ist sorgfältige Handarbeit, deren Ergebnis sich erst über Monate zeigt.

Wer wissen möchte, ob eine Behandlung im eigenen Fall sinnvoll ist und welcher Umfang überhaupt in Frage kommt, klärt das vorher am Befund, nicht am Behandlungstag. Für ein Gespräch und einen Termin erreichen Sie uns über Kontakt.

In den Wochen nach dem Behandlungstag fallen bei manchen Patienten auch eigene Haare in der Umgebung der behandelten Zone aus. Warum das in aller Regel eine vorübergehende Reaktion des Haarzyklus ist und wann eine Kontrolle sinnvoll wird, erklärt der Beitrag Shock Loss nach der Haartransplantation: normal oder nicht?

Mit dem Ende des Behandlungstages beginnt eine Phase, in der vor allem Sorgfalt im Alltag zählt. Wie die ersten Haarwäschen ablaufen, worauf beim Schlafen zu achten ist und welche Tätigkeiten noch warten sollten, erklärt der Beitrag Nach der Haartransplantation: Waschen, Schlafen und Alltag in den ersten Wochen.

Eine der häufigsten Fragen nach dem Eingriff betrifft das Training. Ab wann leichte Bewegung, Kraftsport, Schwimmen oder Kontaktsport wieder möglich sind und warum die ersten Tage besonders zählen, beschreibt der Beitrag Sport nach der Haartransplantation: Ab wann welche Belastung wieder möglich ist.


Passend dazu

 
 
 

Kommentare


Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Bitte den Website-Eigentümer für weitere Infos kontaktieren.
bottom of page